Auch wenn das Wetter bei der dritten Etappe des Ossiloops nicht ganz mitspielte, war die Stimmung auf der Strecke sehr gut. Nur einige Zuschauer haderten mit dem Regen. Auf der Mühlenetappe von Bagband nach Holtrop bauten die Gesamtführenden Andreas Kuhlen und Verena Coordes ihren Vorsprung weiter aus. Grund zum Feiern hatten aber auch einige Läufer weiter hinten. Gleich mehrere Jubiläen für die 50., 100. oder sogar 225. Etappe galt es zu würdigen. BILD: Jochen Schrirevers

Sie läuft und läuft und läuft... - Hilde Steinke hat noch keine Etappe verpasst – Gestern 225. Start

Hilde Steinke spulte auch ihre 225. Etappe souverän ab. Auch wenn sie eigentlich lieber  bei Hitze läuft, kam sie gut durch.   BILD: Jochen Schrievers
Hilde Steinke spulte auch ihre 225. Etappe souverän ab. Auch wenn sie eigentlich lieber bei Hitze läuft, kam sie gut durch. BILD: Jochen Schrievers

Athletin aus Neermoor lässt auch mit 74 Jahren noch viele Läufer hinter sich – auch wenn sie es ruhiger angehen lässt als früher.

NEERMOOR/BAGBAND. Der Ossiloop hat sich seit der ersten Auflage 1982 stark verändert. Die Organisation hat gewechselt, die Strecke ist eine andere und die Teilnehmerzahl hat sich vervielfacht. Doch eines ist bislang auf allen Etappen gleich geblieben: Hilde Steinke. Die Athletin aus Neermoor ist die unbestrittene Königin des Ossiloops und hat als einzige kein Teilstück verpasst. Auf der gestrigen Strecke von Bagband nach Holtrop feierte sie ein besonderes Jubiläum: ihre 225. Etappe.

An ihre Spitzenzeiten kommt Hilde Steinke zwar nicht mehr heran, doch mit ihren Leistungen lässt sie nach wie vor hunderte jüngere Läuferinnen und Läufer hinter sich. Ganz so genau nimmt sie es inzwischen mit der Zeitenjagd aber nicht mehr. Als fünffache Gesamtsiegerin hat sie schon oft genug bewiesen, was in ihr steckt. 1996 sicherte sie sich mit 51 Jahren ihren bislang letzten Etappen- und später auch Gesamtsieg – ebenfalls ein Rekord. Hilde Steinke denkt gerne an die ruhigen Anfangszeiten des Ossiloops zurück, doch auch der jetzige Trubel und die großen Läufermassen stören sie nicht. Das gestrige Teilstück führte entlang des Ostfrieslandwanderwegs – wie schon vor 37 Jahren. Doch statt mit 35 Läufern teilte sich Steinke die Strecke mit etwa 2700 Dörlopern und zahlreichen Tagesläufern.

Mit im Feld finden sich auch ihr Ehemann Dietrich und die Söhne Rolf und Peter. Während Sohn Peter als neunmaliger Gesamtsieger in die Geschichte des Ossiloops eingeht, wird Ehemann Dietrich als Pechvogel immer wieder an den Ossiloop 1991 erinnert. Damals war er unverschuldet mit dem Fahrrad in einen Unfall verwickelt und hatte zehn Tage lang im Krankenhaus gelegen. Am Samstag wurde er entlassen, am Dienstag fiel der Startschuss. Auf Anraten seines Arztes verzichtete er auf die Teilnahme. Es war der einzige Ossiloop, bei dem er fehlte. Eine Entscheidung, über die er oft nachgedacht hat, denn die Differenz von sechs Etappen auf seine Frau verfolgt ihn seitdem Jahr für Jahr.

Somit muss er noch ein Jahr warten, ehe auch er sein 225. Teilstück absolvieren darf. Der gestrige Abend gehörte hingegen ganz und gar seiner Frau – der Königin des Ossiloops.

aus "Anzeiger für Harlingerland" vom 08.05.2019