JUGENDSPORT - Sportvereine schließen sich zusammen – Das Ziel: die Mannschaften und den Spielbetrieb erhalten

Die C-Jugendlichen des MTV Wittmund (in Blau) und der HG Jever/Schortens zeigen Einsatz,  hier in der Regionsliga der Saison 2018/19..   BILD: Dennis Maslo
 
Die C-Jugendlichen des MTV Wittmund (in Blau) und der HG Jever/Schortens zeigen Einsatz, hier in der Regionsliga der Saison 2018/19.. BILD: Dennis Maslo
 
Elisabeth Hauschild vom MTV Wittmund.BILD: Ina Frerichs
 
 
Elisabeth Hauschild vom MTV Wittmund.BILD: Ina Frerichs

Vereine stehen vor einem Dilemma: genug Kinder und Jugendliche, aber zu wenige Trainer.

Friesland / Ostfriesland. Sportlich aktiv zu sein macht Spaß und hält fit. Gerade Kinder spielen und toben gern. Wenn sie älter werden, lässt dieser Bewegungsdrang jedoch häufig nach. Aber auch Kinder bewegen sich heutzutage seltener: Sie sitzen oft vor dem Computer und beschäftigen sich mit ihrem Smartphone, statt nach draußen zu gehen. Digitale Medien bestimmen den Alltag und auch der demografische Wandel macht sich bemerkbar. Immer weniger Kinder und Jugendliche finden den Weg in die Sportvereine. Dabei fördern gerade Mannschaftssportarten wie Handball Zusammenhalt, Toleranz und Teamgeist, bauen Grenzen ab und Verständnis auf. Diesem Abwärtstrend, dass immer weniger Kinder und Jugendliche gemeinsam sportlich aktiv sind, möchten Vereine entgegenwirken. In der Region betreiben und fördern mehrere Sportvereine und Spielgemeinschaften ihren Nachwuchs (siehe Karte rechts).

Herausforderungen

Viele Clubs stehen inzwischen vor einem Dilemma: Wie bleiben sie bestehen? Spielgemeinschaften im Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbereich sind eine Möglichkeit, um den Spaß am Teamsport beizubehalten und mit Mannschaften bei Spielen und Turnieren mitzumachen.

Der Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN) ist nach eigenen Aussagen mit mehr als 2000 gemeldeten Jugendmannschaften in den Vereinen einer der größten Landesverbände im Deutschen Handballbund (DHB). In Friesland und Ostfriesland gehören unter anderem die HG Jever/Schortens und der MTV Wittmund zu den Vereinen, die Jugendmannschaften stellen. Die Verantwortlichen sind sich einig: Nicht der Nachwuchs fehlt, sondern die Trainer.

Für den Jugendwart Carsten Janßen von der HG Jever/Schortens und die Handballverantwortliche Elisabeth Hauschild vom MTV Wittmund ist der Zuwachs an jungen Spielern kein Problem – die Schwierigkeit sei eine ganz andere. „Wir können über Nachwuchs nicht klagen“, sagt Elisabeth, genannt Elli, Hauschild. Der MTV geht zu den Aktionstagen des Mädchen- sowie des Jungenhandballs in die Grundschulen, um Kinder für Sport zu begeistern. Mit Erfolg: Der Verein gewinnt regelmäßig neue Mitglieder. „Wir stellen fünf Stationen auf, an denen die Kinder prellen, laufen und werfen“, sagt Elli Hauschild. Auf dem Spielfeld tragen die Schüler Trikots und dürfen auf die Tore werfen – das sei für die Kinder besonders toll. Von zehn Jungen und Mädchen, die nach dem Aktionstag dazugekommen seien, würden drei oder vier langfristig am Ball bleiben, sagt sie. Ähnlich sieht es in der HG Jever/Schortens aus. Der Verein organisiert regelmäßig Schulturniere, was Jungen und Mädchen anzieht. „Die Jugend macht uns keine Sorgen“, erklärt Jugendwart Carsten Janßen, auch wenn die Spielgemeinschaft derzeit keine AGs an Schulen geben könne. Bis zur B-Jugend etwa sei der Nachwuchs ein Selbstläufer. Wenn die Jugendlichen älter werden, ziehen manche allerdings für ihre Ausbildung oder ein Studium weg. Dass es einige wieder zurückzieht und sie später wieder aktiv Handball im Verein spielen, so wie bei den Herren, freut Carsten Janßen, Claudia Janßen, Zeitnehmerin im Verein, und den zweiten Vorsitzenden Andreas Jakumeit.

„Ich bin nicht nur auf einen Sieg aus. Die Kinder sollen Spaß am Spiel haben“, erzählt Trainerin und Schiedsrichterin Elisabeth Hauschild. Vor zehn Jahren hat der Verein mit einer Kindermannschaft angefangen. Die Jungs seien jetzt in der B-Jugend, erzählt ihre Trainerin mit einem Lächeln. Auch Elli Hauschilds Sohn Björn ist aktiver Handballer. Der MTV Wittmund trainiert spielerisch die Minis, die HG bereits die noch jüngeren Handballzwerge. Beide Clubs stehen wie andere Vereine in der Region vor einem Problem: fehlende Trainer. Der MTV habe auch nicht dauerhaft ausreichende Hallenzeiten. Durch das Schulsystem, wodurch bereits die jüngeren Kinder Nachmittagsunterricht haben, können der MTV und die HG meist nur am Abend trainieren.

Ehrenamtlicher Einsatz

Um überhaupt Training zu ermöglichen, sind genügend Übungsleiter notwendig. „Wir haben viele Jüngere, die spielen wollen. Dafür brauchen wir unbedingt Trainer“, gibt Carsten Janßen zu bedenken. Solange die Heranwachsenden qualifiziertes Training bekommen und die Eltern mitziehen, laufen die Mannschaften gut. Aber das Verständnis für das Ehrenamt habe sich geändert, erzählt Andreas Jakumeit. Viele hätten keine Zeit und möchten in der Freizeit keine Verpflichtungen eingehen. Auch Elli Hauschild sieht diese Veränderung. Beide Vereine sind froh über die Menschen, die ihre Zeit in Training investieren. Ein Samstag, ein Sonntag oder das komplette Wochenende seien häufig mit Handball ausgebucht. Dieser Einsatz sei von den Ehrenamtlichen gefordert. Die Trainerausbildung erfordert mehrere Kurse, wobei die HG die Kosten übernehmen würde, wenn sich die Betreuer drei Jahre an den Verein binden.

Spielgemeinschaften – Zusammenschlüsse von Vereinen oder einzelnen Mannschaften – haben für beide Vereine positive und negative Seiten. „Es ist gut, wenn wir damit Mannschaften zusammenbekommen und den Spielbetrieb aufrecht erhalten“, sagt Elisabeth Hauschild. Andererseits gebe es weitere Strecken zu fahren, was die Eltern mehr fordere. Diese würden auch anspruchsvoller sein als früher und mehr diskutieren, wenn sie bei Spielen zugucken, sagen Carsten Janßen und Andreas Jakumeit. Doch alle sind froh über die Unterstützung, gerade bei den Jüngsten. „Vom sportlichen miteinander her sind Spielgemeinschaften schön“, sagt der HG-Jugendwart. Es sei der Spaß der Kinder, der zähle. Viele spielen gemeinsam mit ihren Freunden oder finden hier Freunde. „Ich freue mich über die glücklichen Gesichter“, sagt Elisabeth Hauschild. Das wünschen sich die Jugendbetreuer: „Trainer- und Co-Trainer-Nachwuchs. Und, dass sich die Eltern darauf besinnen, dass es schön ist, Kinder zu trainieren“, sagt Andreas Jakumeit.

aus "Anzeiger für Harlingerland" vom 06.01.2020