Gerhard Ahrens vom MTV Wittmund feiert seltenes Jubiläum und wird zum Ehrenübungsleiter ernannt

Wittmund. (WMZ) Gerhard Ahrens, den seine Freunde alle nur Gerd nennen, ist mittlerweile 82 Jahre alt – aber immer noch fit wie ein Turnschuh. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass er als Übungsleiter des MTV Wittmund regelmäßig Sport treibt. Und das seit nunmehr 50 Jahren. Bei der traditionellen Weihnachtsfeier der MTV-Herrenriege, dem sogenannten Käseessen, wurde er nun von seinen Teamkollegen als einer der vermutlich dienstältesten Übungsleiter im Lande geehrt.
Vom Vereinsvorsitzenden Henning Gralle bekam Ahrens eine Urkunde überreicht. Zugleich wurde der 82-Jährige, der vor gut zwei Jahren bei der 150-Jahr-Feier als Ehrenvorsitzender des Männerturnvereins ausgezeichnet worden war, zum Ehrenübungsleiter ernannt. In einer launigen Rede ging Riegen-Sprecher Wolfgang Malzahn auf Besonderheiten und Eigenarten des langjährigen Riegenführers ein und überreichte ihm ein von Georg Höfkes gemaltes Porträt. Zudem gab es eine Urkunde und weitere Geschenke zur „goldenen Hochzeit mit der Riege“. Ahrens, der viele Jahre als Amtsgerichtsdirektor in Wittmund gewirkt hatte, stammt eigentlich aus Braunschweig. Gleich am ersten Studientag in Marburg hatte er seine spätere Frau Theda Entjer aus Wittmund kennengelernt, der er 1960 in die Harlestadt folgte. Der junge Jurist hatte sich schon immer sportlich betätigt. Unter anderem hatte er mit seiner Braunschweiger Mannschaft den dritten Platz bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Faustball belegt und lange Zeit hochklassig diesen Sport betrieben. „Ich war so etwas wie ein Halbprofi“, erzählt Gerhard Ahrens stolz.
Als er schließlich als Referendar an das Amtsgericht Wittmund kam, gab es dort einen Amtsrichter, der zugleich auch Vorsitzender des MTV Wittmund war. Der nahm das sportliche Engagement des jungen Juristen wohlwollend zur Kenntnis und wies ihn auf die bereits existierende Herrenriege hin, die seinerzeit von Werner Hofmann geleitet wurde. Diese sportliche Truppe hatte über die Jahre großen Zulauf, sodass die Gruppe in eine Herrenriege und eine Altherrenriege aufgeteilt wurde. „Die jüngeren habe ich damals vor 50 Jahren übernommen“, erinnert sich der 82-Jährige, der genau so lange auch schon als Tenor im Wittmunder Kirchenchor singt.
Seit einem halben Jahrhundert fährt er nun jeden Dienstagabend in die Turnhalle, um dort mit rund 20 Turnbrüdern im Alter zwischen 50 und 80 Jahren regelmäßig Gymnastik und anschließend Volleyball zu spielen. „Es ist eine Freude, dass man selbst noch so beweglich ist und eine Gruppe von Gleichgesinnten motivieren kann“, sagt Ahrens. Er habe zwar schon einige Versuche unternommen, um einen Jüngeren als Nachfolger einzuarbeiten, aber es findet sich niemand.
Manchmal koste es ihn aber schon eine gewisse Überwindung, dienstags vom Sofa hochzukommen, gesteht Ahrens. Aber dieser Termin ist seit 50 Jahren fest eingeplant und letztlich sei es auch schön, dass man in einer Kleinstadt so etwas wie die MTV-Herrenriege über so einen langen Zeit am Leben erhalten kann. „Ich bin einfach nur froh, dass es mir so gut geht und ich das immer noch machen kann“, erklärt der 82-Jährige.

aus "Anzeiger für Harlingerland" vom 09.12.2017